Balduins Geschichten
Geschichten von Balduin Biber
Warum diese Geschichten kostenfrei sind
Diese ersten Geschichten von Balduin Biber sind ein Geschenk.
Sie sind entstanden aus vielen Stunden draußen in der Natur, aus Beobachtungen an der Uecker und Zarow, aus Gesprächen mit Kindern – und aus dem Wunsch, Wissen, Achtsamkeit und Geschichten miteinander zu verbinden.
Balduins erste Schritte sollen frei zugänglich sein.
Zum Lesen, Vorlesen, Zuhören (später) und Weiterträumen.
Für Kinder, Familien, Kitas – und für alle, die Natur mit dem Herzen entdecken möchten.
Diese Geschichten bilden den Anfang einer größeren Erzählwelt.
Sie laden dazu ein, Balduin kennenzulernen, ihm ein Stück zu folgen und neugierig zu werden auf das, was noch kommt.
Später werden neue Geschichten, Audios und Materialien entstehen, die vertiefen, erweitern und weiterführen.
Doch der Anfang darf leicht sein.
Offen.
Und ohne Hürde.
Oder wie Nokturnus sagen würde:
„Nun wollen wir mal zur Ruhe kommen.“
Balduin erzählt seine Geschichten im Lauf eines Jahres.
Jeden Monat kommt eine neue dazu.
Das leise Ankommen
Nun wollen wir mal zur Ruhe kommen
Hörst du das Wasser?
Es fließt schon sehr, sehr lange.
Länger, als wir zählen können.
Es hat Eis gesehen und Wärme, Kommen und Gehen.
An der Uecker, dort wo sich das Wasser in eine weite Schleife legt, lebt ein junger Biber.
Er heißt Balduin.
Balduin ist kein Dinosaurier.
Auch kein Superheld.
Er ist einfach ein Biber.
Einer, der gut zuhört und genau hinschaut.
Zwischen Land und Wasser beginnt seine Geschichte.
Und vielleicht – wenn du einen Moment bleibst –
beginnt hier auch deine
Diese Geschichte gibt es auch als liebevoll gestaltete PDF-Datei
– zum Vorlesen, Ausdrucken oder Sammeln.
Balduins erste Geschichte
Balduin stellt seine Familie vor
„Hallo, ich bin Balduin, ein kleiner Biber“, beginnt Balduin stolz.
„Ich wohne mit meiner Familie in der Uecker – dort, wo der Fluss eine große Schleife macht, zwischen Eggesin und Ueckermünde. Vielleicht seid ihr ja schon einmal ganz nah an meinem Zuhause vorbeigekommen.“
Balduin schaut sich um, ob auch wirklich alle gut zuhören.
„Möchtet ihr meine Familie kennenlernen? Dann passt gut auf – denn jetzt kommt echtes Biber-Wissen!“
„Als Erstes müsst ihr wissen: Bei uns Bibern hat die Mama das Sagen.
Meine Mama ist also die Chefin. Sie sorgt dafür, dass im Bau alles klappt und dass wir immer genug zu fressen haben.“
Balduin nickt ernst.
„Und wisst ihr, wie schwer wir Biber werden können? Bis zu 35 Kilo! Das ist fast so viel wie ein großes Schulkind. Und alt werden können wir auch: Zehn bis zwölf Jahre schaffen wir locker – manchmal sogar zwanzig. Ganz schön alt, oder?“
Balduin lacht und tippt mit seiner Kelle aufs Wasser.
Platsch!
„Jetzt zu meiner Familie“, sagt er.
„Ich bin der Älteste von uns dreien. Mein Bruder heißt Bobo. Er ist das Sandwichkind – gemütlich, unsportlich und immer hungrig. Und dann gibt es noch meine kleine Schwester Bärbel. Sie ist zwar die Jüngste, aber oho! Laut, frech und voller Ideen.“
Balduin grinst.
„Und weil wir manchmal ganz schön Rabatz machen, helfen Mama oft unsere großen Schwestern aus dem Jahr davor. Da ist zum Beispiel die dicke Berta – sie ist gar nicht wirklich dick, sondern einfach handfest. Stark, praktisch und extrem flexibel.“
„Und dann ist da noch Babette“, fährt Balduin fort.
„Sie hält sich für eine kleine Queen. Niemand hat so ein glänzendes Fell wie sie. Und ständig streitet sie sich mit Berta darüber, wie man Parfum richtig ausspricht. Berta sagt Pafüüüm – Babette sagt Paföng. Ich finde das ziemlich lustig. Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal mehr.“
Balduin wird wieder ernst.
„Und jetzt noch ganz wichtiges Biber-Wissen: Im Mai oder Juni bekommen Biber ihre Babys. Es können bis zu sechs Junge sein. Und wisst ihr, wer dann Babysitter spielt? Genau – die großen Geschwister aus dem Jahr davor.“
Balduin winkt mit seiner Kelle.
„So, das reicht erst mal. Merkt euch gut:
Mama hat das Sagen.
Wir können ganz schön schwer und alt werden.
Und Babys gibt es bei uns im Frühling.“
„Das ist alles echtes Biber-Wissen!“
Platsch! Balduin taucht ab –
und verschwindet in der Uecker.
Bis zum nächsten Mal.
Und das war: Biber-Wissen!
Biber-Wissen
In dieser Geschichte hast du gelernt, dass …
- bei Bibern die Mutter das Sagen hat
- Biber bis zu 35 Kilogramm schwer werden können
- sie meist 10–12 Jahre, manchmal sogar bis zu 20 Jahre alt werden
- eine Biberfamilie bis zu 6 Junge bekommt (im Mai oder Juni)
- die Geschwister aus dem Vorjahr oft beim Babysitten helfen
Diese Geschichte gibt es auch als liebevoll gestaltete PDF-Datei
– zum Vorlesen, Ausdrucken oder Sammeln.
Balduins zweite Geschichte
Biberzähne sind orange
Emilia, die kleine Elster, sitzt in der großen Weide an der Uecker und putzt sorgfältig ihr Gefieder. Da – Platsch! – ein lauter Schlag auf dem Wasser! Erschrocken flattert sie auf den nächsten Ast.
„Was war das denn?!“ ruft sie. Sie späht nach unten, kann aber nichts entdecken.
Nachdem ihre Federn wieder ordentlich sitzen, schaut sie erneut zum Fluss. Da taucht ein Kopf auf: zwei kleine runde Ohren, dunkle Knopfaugen und eine breite Nase.
„He, du! Hast du dieses Platsch auch gehört?“ ruft Emilia.
„Na klar“, lacht Balduin, „das war ich!“
„Du?“ Emilia schlägt empört mit den Flügeln. „Warum erschreckst du mich so?“
Balduin kichert. „Das ist unser Warnsignal. Wenn ein Biber mit seiner Kelle – so nennen wir Biber unseren Schwanz – auf das Wasser schlägt, heißt das: Achtung, Gefahr! Alle Biber tauchen dann ab und bringen sich in Sicherheit.“
„Oh!“ Emilia staunt. „Und wie lange bleibst du unter Wasser?“
„Manchmal bis zu 20 Minuten - ohne einmal Luft zu holen!“, erklärt Balduin stolz. „Aber meistens nur ein paar Minuten. Meine Kelle hilft mir außerdem beim Schwimmen – und weißt du was? Das Muster darauf ist bei jedem Biber anders. Wie bei den Menschen die Fingerabdrücke.“
Emilia pickt neugierig an einem Zweig. „Und wie heißt du eigentlich, Herr Platsch?“
„Ich bin Balduin, der Biber.“
„Balduin…“ Emilia nickt anerkennend. „Du hast ja tolle Zähne! Die sind ja richtig orange!“
„Unsere Zähne wachsen unser ganzes Leben lang, und sie sind orange, weil Eisen eingelagert ist. Das macht sie extra hart. Damit können wir Bäume fällen. Und fressen tun wir am liebsten Kräuter, Gras, Löwenzahn, Brennnesseln – und natürlich Baumrinde. Das alles ist Biber-Wissen!“ ruft Balduin fröhlich.
„Aha!“ Emilia schüttelt die Flügel. „Du bist ja wirklich spannend. Aber ich muss jetzt los. Bist du öfter hier?“
„Na klar“, sagt Balduin. „Ich lebe hier in der Uecker. Wenn du wieder vorbeischaust, erzähl ich dir noch mehr.“
„Dann bis bald, Balduin!“ ruft Emilia und flattert davon.
„Tschüss, Emilia! Bis demnächst!“ Balduin winkt mit seiner Kelle – Platsch!
Bis zum nächsten Mal.
Und das war wieder: Biber-Wissen!
Biber-Wissen
In dieser Geschichte hast du gelernt, dass …
- der Biber Rinde, Gras und Kräuter frisst – zum Beispiel Löwenzahn und Brennnesseln
- seine Zähne ein Leben lang wachsen und orange sind, weil Eisen sie besonders hart macht
- das Muster auf der Biberkelle bei jedem Biber einzigartig ist – wie ein Fingerabdruck
- der Biber zur Warnung mit der Kelle auf das Wasser schlägt
- ein Biber 2 bis 20 Minuten unter Wasser bleiben kann, ohne Luft zu holen
Balduins dritte Geschichte
Die Biberburg
Balduin sitzt auf seinem Lieblingsstein unter der großen, alten Weide am Ufer der Uecker. Mit seinen Vorderpfoten fährt er sorgfältig durch sein dichtes Fell bis es in der Abendsonne glänzt.
Ein dunkler Schatten huscht über ihn hinweg. Blitzschnell duckt sich Balduin, die Kelle schon bereit für ein ordentliches Platsch. Doch er hält inne. Es ist kein Seeadler, sondern Emilia, die kleine Elster, die elegant auf einem der dicken Äste über ihm landet.
„Moin Balduin!“, ruft sie und schüttelt ihre schwarz-weißen Flügel.
„Moin Emilia!“, antwortet Balduin und winkt mit der Pfote. „Na, wo kommst du denn her?“
„Ich war heute in Ueckermünde!“, erzählt Emilia stolz. „Da wohnen die Menschen in ihren Häusern – die sind ganz bunt, und die Dächer sind so spitz, dass ich wunderbar darauf landen kann.“
Balduin guckt neugierig hoch. „Häuser? Das ist bestimmt praktisch, wenn’s regnet. Ich wohne in einer Erdhöhle, die Mama und Papa gebaut haben. Der Eingang liegt unter Wasser – den sieht keiner. So sind wir Biber sicher.“
„Aha!“ Emilia nickt anerkennend. „Und manche Biber wohnen auch in einer Burg, habe ich gehört. Stimmt das?“
„Klar!“ Balduin strahlt. „Die bauen wir aus Ästen, Zweigen und Schlamm. Da wird ein richtiger Turm draus – fast so wie eine Burg. Nur eben eine Biber-Burg.“
Er setzt sich kerzengerade hin, als wollte er besonders eindrucksvoll wirken. „Und weißt du was? Wenn ich groß bin, dann baue ich meinen eigenen Damm und meine eigene Burg!“
„Ach?“ kräht Emilia neugierig. „Hier an der Uecker?“
„Nee“, schüttelt Balduin den Kopf. „Hier wohnen ja schon Mama und Papa. Ich suche mir dann ein eigenes Revier. Jeder Biber braucht sein Gebiet.“
Emilia plustert ihr Gefieder auf. „Ganz schön schlau seid ihr! Aber sag mal, habt ihr eigentlich Feinde? Du wirkst immer so mutig.“
Balduin wird ein bisschen ernst. „Ja, Feinde haben wir schon. Von oben der Seeadler oder nachts der Uhu. An Land müssen wir aufpassen vor dem Fuchs und dem Marder. Und im Wasser… da gibt’s den Hecht und den Wels, wenn sie groß sind.“
Emilia kratzt sich mit der Kralle am Kopf. „Puh, das klingt gefährlich. Da ist es ja prima, dass du so gut schwimmen kannst.“
Balduin nickt. „Genau. Die Menschen nennen uns semi-aquatisch – das heißt: Wir brauchen Land und Wasser..“ Er grinst verschmitzt. „Das klingt wie ein Zauberspruch: Semi-aquatisch!“
„Hihihi“, kichert Emilia. „Das ist wirklich ein tolles Wort.“
„Und weißt du was?“ Balduin beugt sich verschwörerisch zu ihr hinauf. „Unsere Burg hat im Winter sogar eine Dachluke! Da kriecht die warme Luft raus und der Schnee schmilzt an dieser Stelle. So erkennen die Menschen manchmal, dass dort Biber wohnen.“
„Das war jetzt aber ganz schön viel…“ – Emilia klappt die Flügel zusammen und schaut Balduin ernst an – „…Biber-Wissen!“
Balduin lacht und klatscht mit seiner Kelle ins Wasser. „Genau!“
Dann wird es still. Emilia beginnt, sorgfältig ihre Flügel zu ordnen, während Balduin träumerisch auf die Uecker schaut. Der Himmel färbt sich rosa, und die ersten Sterne blinken auf. Beide Freunde sind ganz leise geworden. Emilia steckt ihren Kopf unter einen Flügel und schläft ein, während Balduin noch über seinen eigenen Damm nachdenkt.
So zieht allmählich der Abend über die große Flussschleife.
Bis zum nächsten Mal.
Und das war wieder: Biber-Wissen!
Biber-Wissen
In dieser Geschichte hast du gelernt, dass …
- der Biber semiaquatisch ist -> d. h. er braucht immer Land + Wasser
- seine Feinde: Seeadler, Uhu, Marder und Fuchs sowie große Fische wie Hecht und Wels sind
- der Biber durch den Bau von Dämmen Wasser staut und die Landschaft verändert – so entstehen neue Lebensräume
- der Biber in einer Biberburg/Erdhöhle aus Ästen, Zweigen und Schlamm wohnt
- der Eingang zur Höhle immer unter Wasser liegt